Der jetzige Moment ist immer der Lehrer

Es gibt viele verschiedene Formen von Leiden. Es gibt in unserer sogenannten fortschrittlichen Welt unter der glänzenden Oberfläche des glitzernden, schillernden Lebens genauso viel Leid wie in sogenannten Entwicklungsländern oder Kriegsgebieten. Der einzige Unterschied ist die Ausdrucksform des Leidens. Jeder hat seine eigene Lebenssituation, die sein Lehrer ist. Wenn Sie durch Indien reisen, dann können Sie zum Beispiel einen Bettler sehen, dem ein Arm fehlt und der sehr darunter leidet.

Danach begegnen Sie einem Bettler, der weder Arme noch Beine hat und sich kaum bewegen kann. Aber er lächelt Sie an und aus seinen Augen erstrahlt ein Licht, und Sie können sehen, dass die Transformation durch dieses Leiden passiert ist. Ich habe behinderte Menschen getroffen, die im Rollstuhl saßen oder unheilbare Krankheiten wie Krebs hatten, und trotzdem war kein Funke von Unglück mehr in Ihnen zu sehen, sondern sie wirkten lebendig, sie blühten.

Gelegentlich sieht man auch alte Menschen, die dem Tod nahe sind und es strahlt ein Licht aus ihren Augen, wenn sie in den Zustand kommen, in dem kein Widerstand mehr herrscht. Sie sind mit ihren Gedanken nicht permanent in der Zukunft, weil sie wissen, dass nicht mehr viel Zukunft bleibt. Egal, in welcher Situation sich ein Mensch befindet: die Form, die der jetzige Moment annimmt, ist immer der Lehrer.

Eckart Tolle

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Philip Ziegler: Licht und Schatten

 

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