Willigis Jäger: Der immaterielle Geist bewegt das Gehirn

Willigis Jäger, Perlen der Weisheit S. 110 (Naturwissenschaft)

Ich gehe davon aus, dass die wesentlichen Impulse für die zukünftige Entwicklung des Geistes von den Naturwissenschaften ausgehen werden. Ich vermute, dass es zu einer Wiederentdeckung der Metaphysik kommen wird, aber nicht Philosophen oder Theologen werden sie auf den Weg bringen, sondern Physiker und Biologen. Sie nämlich sind es, die im Zuge ihrer Grundlagenforschung mehr und mehr an die Grenzen des Denkens geraten. Dort begegnet ihnen eine Wirklichkeit, die sie weder anzweifeln noch mit den Mitteln der Logik und des analytischen Denkens begreifen können (…) von Werner Heisenberg stammt der prägnante Satz: “Der erste Trunk aus dem Becher der Naturwissenschaft macht atheistisch, aber am Grund des Bechers wartet Gott”

Die theoretische Physik des 20. Jahrhunderts ist an einen Punkt gelangt, an dem sie sich von Vorstellungen löste, die über Jahrtausende als unbezweifelbare und evidente Wahrheiten galten. So ist der Glaube an eine objektive Welt, die in Raum und Zeit nach festen kausalen Gesetzen ihren Lauf nimmt, erschüttert worden. Inzwischen wissen wir, dass die Wirklichkeit keineswegs objektiv feststeht, sondern das Produkt unsres eigenen Verstandes ist (…) Wir können immer nur einen kleinen Teil der Wirklichkeit erkennen – und diesen kleinen Teil ordnen und strukturieren wir nach Maßgabe unsres Verstandes. Er liefert uns das Instrumentarium, mit dem wir uns die Welt verfügbar machen können, aber es wäre ein Irrtum zu glauben, dass seine Instrumente Bestandteile einer objektiven Welt wären (…) die physikalische Einsicht in die Relativität von Zeit und Raum bestätigt dies – und ebenso entspricht dem die mystische Erfahrung der transpersonalen Wirklichkeit.

Früher waren wir der Meinung, der Körper habe im Laufe der Zeit Geist entwickelt. Intelligenz sei eine Funktion des Gehirns und des Nervensystems. Inzwischen aber wissen wir, dass es sich genau andersherum verhält. “Der immaterielle Geist bewegt das Gehirn”, sagt der Hirnforscher und Nobelpreisträger John Eccles. Er hat nachgewiesen, dass es unsre Gedanken und unser Wille sind, die im Gehirn Neuroproteine aktivieren – dass sich geistige Prozesse materiell abbilden und nicht etwa Funktion biochemisch-materieller Prozesse sind: Wenn wir einen Gedanken haben, ein Gefühl oder einen Wunsch, dann transformiert sich diese Energie als Molekül in unserem Gehirn. Mit anderen Worten: unsere intellektuelle und emotionale Energie materialisiert sich in Gestalt dieser Neuroproteine. Sie sind gleichsam kleine Schlüssel, die nach ihrem Schlüsselloch suchen. Wenn sie das Loch in anderen Zellen gefunden haben, hat die Zelle die Nachricht empfangen, die sie braucht. Dieser Vorgang spielt sich nicht nur in unserem Gehirn ab, sondern er durchdringt den ganzen Körper.

Willigis Jäger

Hans Hofmann: Interior Composition

http://www.wikiart.org/

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2 thoughts on “Willigis Jäger: Der immaterielle Geist bewegt das Gehirn

  1. Ein toller Artikel, der die gleiche Richtung antzipiert, die ich selbst auch beschreite.
    Dennoch werden es die Philosophen sein, die eine neue Metaphysik auf den Weg bringen, weil den Naturwissenschaftlern ein dazu nötige philosophische Grundausbildung im Studium nicht mitgegeben wurde.
    Aber, und da nähere ich mich wieder, es werden erstens Philosophen sein, die Philosophie unter Berücksichtigung der genannten Naturwissenschaften betreiben und es werden kaum Philosophen der analytischen Richtung sein, sondern eher solche, die die Metaphysik nie aufgegeben haben und z.B. an Platon, Cusanus, Kant, Lotze oder N. Hartmann orientiert sind.

  2. Hallo, lieber Titus. Da die Tendenz in Zukunft vermutlich in Richtung interdisziplinäres Denken geht, werden diese Unterteilungen m.E. nicht mehr so wichtig sein. Die Naturwissenschaftler lernen heute, dass sie mit den Mitteln der Logik und des analytischen Denkens alleine nicht weiter kommen, weswegen entscheidende Impulse zunehmend aus diesen Reihen kommen werden. Zustimmen würde ich Dir aber: “alleine” schaffen sie das nicht – Kunst und Philosophie werden in Zukunft eine Schlüsselrolle spielen, weil sie als Kommunikatoren dienen.

    Joseph Beuys sprach zu seiner Zeit visionär von der “sozialen Kunst” und nun erleben wir, im Zuge der digitalen Revolution und globalen Vernetzung, dass Leben tatsächlich immer mehr zu einer Lebenskunst wird, weil es gar nicht mehr anders geht, schon Kinder werden mit einem unüberschaubaren Meer von Informationen konfrontiert und müssen darin schwimmen lernen. Eckhart Tolle hat mit seinem Buch “Eine neue Erde -: Bewusstseinssprung anstelle von Selbstzerstörung” einige wichtige Punkte skizziert, was das bedeuten kann.

    Ich würde sagen: “Jeder Mensch muss lernen ein Künstler zu sein, weil das die geistige Voraussetzung ist, um die Weltmeere des digitalen Zeitalters erfolgreich zu bereisen und ihr ein menschliches Antlitz zu geben” – die Gefahr ist, dass das Befreiungspotential der Technik umschlägt in die Zerstörung, weil uns das Bewusstsein fehlt, um sie weise und lebensfreundlich zu handhaben. Eines meiner Hauptthemen ist deshalb: wie harmonisieren wir Technik und Natur? Beides müsste eine symbiotische Einheit bilden.

    Gruß,
    Mark

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