Alan Watts: Das Leben ist ein integraler Bestandteil des ganzen Weltprozesses

„So wie die chinesische Schrift wenigstens um einen Schritt der Natur näher steht als die unsrige, so besteht die uralte Philosophie des Dao darin, dem Lauf, der Strömung, dem “Strich” der Naturphänomene geschickt und intelligent zu folgen und das menschliche Leben als einen integralen Bestandteile des ganzen Weltprozesses zu sehen, nicht als etwas Fremdes, ihm Entgegengesetztes.

Bisher hat die westliche Wissenschaft die Objektivität betont – eine kalte, berechnende und distanzierte Haltung, die den Anschein erweckt, als seien alle Naturphänomene, der menschliche Organismus inbegriffen, nichts als Mechanismen. Aber wie das Wort selbst besagt ein Universum aus lauter Objekten ist unannehmbar. Wir nehmen uns das Recht, es rücksichtslos auszubeuten, aber jetzt erkennen wir, dass die Misshandlungen der Umwelt uns selbst Schaden bringt, aus dem einfachen Grund, weil wir und unsere Umgebung dem Prozess eines geschlossenen Feldes angehören. Das nennen die Chinesen Dao.

Wir haben auf lange Sicht keine andere Wahl, als an diesem Prozess durch eine Einstellung und durch Methoden mitzuwirken… da wir als menschliche Wesen das Risiko des gegenseitigen Vertrauens auf uns nehmen müssen, damit eine Gemeinschaft funktionieren kann, müssen wir auch riskieren, unsere Segel nach den Winden der Natur zu richten. Denn unser “Selbst”, ist untrennbar von diesem Universum, und wir haben keinen anderen Ort.

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Das chinesische Denken und Fühlen wurzelt in dem Prinzip der Polarität, das nicht zu verwechseln ist mit dem Begriff des Gegensatzes oder Konflikts…
Daoisten betrachten die Welt als identisch mit oder untrennbar von ihrem “Selbst”, so das Laozi sagen konnte: “Ohne aus dem Haus zu treten, er kenne ich die ganze Welt”. Das bedeutet, dass Lebenskunst sich mehr mit der Kunst der Schifffahrt als mit der Kriegsführung vergleichen lässt, denn wichtig ist, die Winde, die Gezeiten, die Strömungen, die Jahreszeiten und das Prinzip des Werdens und Vergehens zu begreifen, so dass man sie handelnd nutzen kann und nicht dagegen ankämpft

Im Chinesischen heißen die beiden Pole der kosmischen Energie yang (positiv) und yin (negativ)….

Der Schlüssel zur Beziehung zwischen yang und yin wird hsiang sheng (xiang sheng) genannt, beiderseitiges Entstehen oder Unzertrennlichkeit.“

http://uboeschenstein.ch/texte/Dao/watts-dao.html

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